{"id":671,"date":"2013-09-19T22:21:54","date_gmt":"2013-09-19T20:21:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mericler.de\/neustart\/?p=671"},"modified":"2013-09-19T22:21:54","modified_gmt":"2013-09-19T20:21:54","slug":"nimm-kein-unbezahltes-praktikum-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mericler.de\/neustart\/2013\/09\/19\/nimm-kein-unbezahltes-praktikum-an\/","title":{"rendered":"Nimm kein unbezahltes Praktikum an"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>\u201cJa, wer was auf sich h\u00e4lt in diesem Land<br \/>\nGeht nach Berlin und wird ber\u00fchmter Praktikant\u201d<br \/>\nJan Delay, Showgesch\u00e4ft (2009)<\/p><\/blockquote>\n<h2 id=\"mach_kein_unbezahltes_praktikum\">Mach kein unbezahltes Praktikum!<\/h2>\n<p>Der einzige Fall, den ich gelten lasse, ist ein Sch\u00fclerinnen- \/ Sch\u00fclerpraktikum. F\u00fcnf Tage in einen Betrieb hineinzuschauen, muss nicht unbedingt bezahlt werden. Eine kleine Anerkennung f\u00fcr die Arbeit sollte schon drin sein, ich denke da an ein Buch, eine CD oder etwas \u00c4hnliches in dieser Preiskategorie.<\/p>\n<p>Alles, was \u00fcber vier Wochen hinausgeht, sollte angemessen bezahlt werden. Die meisten Praktika, die man als Studentin oder Student macht, dauern drei bis sechs Monate. Das ist genug Zeit, das Unternehmen und die Arbeit kennenzulernen und auch genug Zeit, produktiv f\u00fcr das Unternehmen t\u00e4tig zu sein.<\/p>\n<h2 id=\"1_unbezahlte_praktika_sind_asozial\">1. Unbezahlte Praktika sind asozial<\/h2>\n<p>Menschen, die unbezahlte Praktika annehmen, zeigen Unternehmen, dass es Leute gibt, die gewillt sind, derartige Vereinbarungen einzugehen. Damit werden die Tabellenkalkulations-Fetischisten in den Unternehmen darauf beharren, weiterhin nach Kr\u00e4ften zu suchen, die die Arbeit kostenlos erledigen. Der Wert der Arbeit wird auf diese Weise verdorben. Ein aktuelles Beispiel hierzu ist das Vorgehen der deutschen Ausgabe der Huffington Post: Am 10. Oktober m\u00f6chte der US-Ableger hier in Deutschland starten und sucht noch Schreiberlinge, aber was sie leider nicht bieten kann: \u201c<a title=\"Gib Geld\" href=\"http:\/\/www.neueelite.de\/technik\/20130919122705\/3873\/kostenlose-schreibkraefte-gesucht-deutsche-huffington-post-gib-geld\/\">Geld f\u00fcr die Beitr\u00e4ge<\/a>\u201d. Da haben wir\u2019s: Es gibt Menschen, die von ihrem Geschriebenen leben m\u00f6chten. Sie werden es nicht k\u00f6nnen, wenn ihre Kolleginnen und Kollegen die gleiche Arbeit f\u00fcr lau erledigen.<\/p>\n<h2 id=\"2_unbezahlte_praktika_sind_asozial\">2. Unbezahlte Praktika sind asozial<\/h2>\n<p>Liegt man den Eltern noch auf der Tasche, mag es m\u00f6glich sein, ein unbezahltes Praktikum anzunehmen. Was aber mit den vielen Job-Suchenden, die nicht von ihren Eltern durchgef\u00fcttert werden, weil die das gar nicht k\u00f6nnen? Menschen, die unbezahlte Praktika annehmen, helfen dabei, den Graben innerhalb der Gesellschaft zwischen wohlhabend und arm zu vertiefen.<\/p>\n<h2 id=\"3_unbezahlte_praktika_sind_lebensfremd\">3. Unbezahlte Praktika sind lebensfremd<\/h2>\n<p>Die Dinge des Alltags kosten nunmal Geld. Wenn Verk\u00e4ufer, B\u00e4cker, Schneider und Schuhmacher sich auf den Handel einlassen, dass es f\u00fcr sie eine tolle Erfahrung und ein gro\u00dfer Erkenntnisgewinn ist, wenn ich deren L\u00e4den betrete und die Ware ohne sie zu bezahlen mitnehme, dann kann ich auch gerne ein unbezahltes Praktikum annehmen.<br \/>\nDie Begriffe \u201cErfahrung\u201d und \u201cErkenntnisgewinn\u201d lassen sich in diesem Beispiel problemlos durch andere Bullshit-Bingo-Begriffe wie \u201cKontakte\u201d, \u201cNetzwerk\u201d oder \u201c<a title=\"Ruhm, Ehre und Reichweite\" href=\"http:\/\/www.lousypennies.de\/2013\/09\/26\/moechte-ich-wirklich-fuer-huffington-post-deutschland-schreiben\/\" target=\"_blank\">Ruhm, Ehre und Reichweite<\/a>\u201d ersetzen.<\/p>\n<h2 id=\"4_unbezahlte_praktika_sind_nichts_wert\">4. Unbezahlte Praktika sind nichts wert<\/h2>\n<p>Bekommt man f\u00fcr ein Praktikum nichts, dann wei\u00df man hinterher auch nicht, wieviel das Praktikum intersubjektiv wert war. Beim n\u00e4chsten Praktikum wei\u00df ich dann nicht, wie ich ansetzen soll: \u201cKann ich jetzt Geld verlangen? Ist ja schlie\u00dflich bereits mein zweites.\u201d Oder: \u201cWieviel Geld darf ich verlangen?\u201d Meine Unsicherheit ist gro\u00df und spielt somit Ausbeuterbetrieben in die H\u00e4nde, deren Management ihr Geld durch die Arbeit unbezahlter Praktikanten verdient. Denn aufgrund meiner\u00a0Unsicherheit k\u00f6nnen sie mich hinhalten, mit leeren Versprechungen abtun oder einfach \u00fcbergehen.<br \/>\nSeid ihr in der Wirtschaft? Geht es um eure Arbeit? Dann denkt immer daran: \u201c<strong>Was nichts kostet, ist nichts wert<\/strong>.\u201d<\/p>\n<p>Habt ihr Feierabend? Dann vergesst bitte nicht, dass es viele, viele Dinge gibt, die sehr \u00a0wertvoll sind, die man aber mit Geld nicht bezahlen kann.<\/p>\n<p><strong>Bildquelle:<\/strong> <a title=\"Bildquelle\" href=\"http:\/\/abload.de\/img\/bildschirmfoto2013-09kbi98.png\">http:\/\/abload.de\/img\/bildschirmfoto2013-09kbi98.png<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cJa, wer was auf sich h\u00e4lt in diesem Land Geht nach Berlin und wird ber\u00fchmter Praktikant\u201d Jan Delay, Showgesch\u00e4ft (2009) Mach kein unbezahltes Praktikum! Der einzige Fall, den ich gelten lasse, ist ein Sch\u00fclerinnen- \/ Sch\u00fclerpraktikum. F\u00fcnf Tage in einen Betrieb hineinzuschauen, muss nicht unbedingt bezahlt werden. 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