CocoaPods für iOS- und OS-X-Entwicklung

Das Einbinden von Dritt-Frameworks war nie ein Problem bei der Entwicklung von iOS- oder Mac-Programmen. Aufwändig ist aber das Verwalten und Aktuell-Halten von eingebundenen Projekten. Hier kommen CocoaPods ins Spiel.

Zugegeben, gelesen habe ich schon häufiger über CocoaPods, hab mich aber nicht so richtig darum gekümmert. Daher kam mir der Artikel “Kakao mit Schale – Dependency Management unter iOS mit CocoaPods” von Benedikt Iltisberger auf heise.de dann doch sehr gelegen.

Iltisberger geht auf Sinn und Einrichtung von CocoaPods ein, nennt alle wichtigen Links und gibt sogar eine kurze Anleitung, wie man eine eigene Pod-Bibliothek erstellen kann. Der recht kurze und verständliche Artikel sei hiermit wärmstens zur Lektüre empfohlen.

Nimm kein unbezahltes Praktikum an

“Ja, wer was auf sich hält in diesem Land
Geht nach Berlin und wird berühmter Praktikant”
Jan Delay, Showgeschäft (2009)

Mach kein unbezahltes Praktikum!

Der einzige Fall, den ich gelten lasse, ist ein Schülerinnen- / Schülerpraktikum. Fünf Tage in einen Betrieb hineinzuschauen, muss nicht unbedingt bezahlt werden. Eine kleine Anerkennung für die Arbeit sollte schon drin sein, ich denke da an ein Buch, eine CD oder etwas Ähnliches in dieser Preiskategorie.

Alles, was über vier Wochen hinausgeht, sollte angemessen bezahlt werden. Die meisten Praktika, die man als Studentin oder Student macht, dauern drei bis sechs Monate. Das ist genug Zeit, das Unternehmen und die Arbeit kennenzulernen und auch genug Zeit, produktiv für das Unternehmen tätig zu sein.

1. Unbezahlte Praktika sind asozial

Menschen, die unbezahlte Praktika annehmen, zeigen Unternehmen, dass es Leute gibt, die gewillt sind, derartige Vereinbarungen einzugehen. Damit werden die Tabellenkalkulations-Fetischisten in den Unternehmen darauf beharren, weiterhin nach Kräften zu suchen, die die Arbeit kostenlos erledigen. Der Wert der Arbeit wird auf diese Weise verdorben. Ein aktuelles Beispiel hierzu ist das Vorgehen der deutschen Ausgabe der Huffington Post: Am 10. Oktober möchte der US-Ableger hier in Deutschland starten und sucht noch Schreiberlinge, aber was sie leider nicht bieten kann: “Geld für die Beiträge”. Da haben wir’s: Es gibt Menschen, die von ihrem Geschriebenen leben möchten. Sie werden es nicht können, wenn ihre Kolleginnen und Kollegen die gleiche Arbeit für lau erledigen.

2. Unbezahlte Praktika sind asozial

Liegt man den Eltern noch auf der Tasche, mag es möglich sein, ein unbezahltes Praktikum anzunehmen. Was aber mit den vielen Job-Suchenden, die nicht von ihren Eltern durchgefüttert werden, weil die das gar nicht können? Menschen, die unbezahlte Praktika annehmen, helfen dabei, den Graben innerhalb der Gesellschaft zwischen wohlhabend und arm zu vertiefen.

3. Unbezahlte Praktika sind lebensfremd

Die Dinge des Alltags kosten nunmal Geld. Wenn Verkäufer, Bäcker, Schneider und Schuhmacher sich auf den Handel einlassen, dass es für sie eine tolle Erfahrung und ein großer Erkenntnisgewinn ist, wenn ich deren Läden betrete und die Ware ohne sie zu bezahlen mitnehme, dann kann ich auch gerne ein unbezahltes Praktikum annehmen.
Die Begriffe “Erfahrung” und “Erkenntnisgewinn” lassen sich in diesem Beispiel problemlos durch andere Bullshit-Bingo-Begriffe wie “Kontakte”, “Netzwerk” oder “Ruhm, Ehre und Reichweite” ersetzen.

4. Unbezahlte Praktika sind nichts wert

Bekommt man für ein Praktikum nichts, dann weiß man hinterher auch nicht, wieviel das Praktikum intersubjektiv wert war. Beim nächsten Praktikum weiß ich dann nicht, wie ich ansetzen soll: “Kann ich jetzt Geld verlangen? Ist ja schließlich bereits mein zweites.” Oder: “Wieviel Geld darf ich verlangen?” Meine Unsicherheit ist groß und spielt somit Ausbeuterbetrieben in die Hände, deren Management ihr Geld durch die Arbeit unbezahlter Praktikanten verdient. Denn aufgrund meiner Unsicherheit können sie mich hinhalten, mit leeren Versprechungen abtun oder einfach übergehen.
Seid ihr in der Wirtschaft? Geht es um eure Arbeit? Dann denkt immer daran: “Was nichts kostet, ist nichts wert.”

Habt ihr Feierabend? Dann vergesst bitte nicht, dass es viele, viele Dinge gibt, die sehr  wertvoll sind, die man aber mit Geld nicht bezahlen kann.

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Star Trek Technology, dude!

Apple hat am Dienstag Abend zwei neue iPhone-Modelle präsentiert: das iPhone 5s und das iPhone 5c und gefühlt dreiviertel der Nerd-Gemeinde rannte mental Amok. Ich finde: Apple hat alles richtig gemacht!

Apple verfolgt eine Strategie. Dabei gehen die Lenkerinnen und Lenker des Unternehmens planvoll vor. Sicherlich passen sie ihre Strategie hin und wieder an, aber sie verfolgen ihren Plan Zug um Zug, wie ein guter Schach-Spieler. Ich habe keinen Einblick in die inneren Unternehmensstrukturen; von außen sieht jede Veröffentlichung wohlüberlegt aus.

2011

Vor zwei Jahren erschien das iPhone 4S als Nachfolger des 4er-Modells. Äußerlich sind beide Modelle nicht zu unterscheiden. Das 4S kam mit Doppel-Kern-Prozessor, besserer Kamera und der Sprachassistentin Siri. Das 4er-Modell war für 100 Euro günstiger weiterhin erhältlich. Es entstand ein Riesenwirbel in den Netzwerken, dass Apple nicht innovativ sei, die Unterschiede zwischen neuem und altem Gerät wären zu marginal.

2012

Letztes Jahr erschien das iPhone 5 als Nachfolger des 4S-Modells. Dieses Mal war es ein stark verändertes Gehäuse mit LTE-Unterstützung, größerem Bildschirm, neuem Prozessor, besserer Kamera und längerer Akkulaufzeit. Das 4S-Modell war für 100 Euro günstiger weiterhin erhältlich. Es entstand ein Riesenwirbel in den Netzwerken, dass Apple nicht innovativ sei, die Unterschiede zwischen neuem und altem Gerät wären zu marginal.

2013

Dieses Jahr erschien das iPhone 5s als Nachfolger des 5er-Modells. Äußerlich unterscheiden sich beide Modelle vor allem durch den Metallring rund um den Home-Knopf auf der Vorderseite. Das iPhone 5s bietet LTE-Unterstützung auf vielen Frequnzen, einen 64-Bit-Prozessor, eine bessere Kamera, längere Akku-Laufzeit und einen Fingerabdruck-Sensor, mit der sich das Gerät entsperren lässt. Das 5er-Modell vom letzten Jahr lebt als 5c-Modell weiter. Das iPhone 5c ist für 100 Euro günstiger erhältlich. Es gibt einen Riesenwirbel in den Netzwerken, dass Apple nicht innovativ sei, die Unterschiede zwischen neuem und altem Gerät wären zu marginal und das iPhone 5c sei zu teuer.

Fucking Star Trek Technology, dude!

Alter, ich tipp mit meinem Finger auf einen Knopf auf der Vorderseite, mein Telefon erkennt, dass ich es bin und steht mir zur Verfügung? Mann, das ist fucking Star Trek Technology. Das ist wie Raumschiff Enterprise. Das ist fantastisch. Das ist Zukunft, wie ich es mir erträumt hab. Ich finde dieses Feature des iPhone 5s großartig. Längere Akku-Laufzeit, breitere LTE-Unterstützung, bessere Kamera, neuen Prozessor mit Bewegungs-Coprozessor nehme ich auch gerne mit.
Mein Fingerabdruck existiert laut Apple nur innerhalb des Geräts, er wird nicht synchronisiert und es gibt keinen Zugang zu ihm.

Innovation

Die meisten, die nach Innovation schreien oder zu wenig Innovation bei Apple ausmachen, haben – so vermute ich – das Innovative weder im iPhone 2007 noch im iPad 2010 erkannt. Wahrscheinlich sind da auch Leute dabei, die bereits 1984 bei der Vorstellung des Mac angemerkt haben: “Maus? Tastatur? Wer braucht sowas?”

2014

Dem Gesetz der Serie folgend könnte ich also bereits heute, im September 2013, schreiben, was vermutlich im September 2014 bezüglich neuer iPhones passieren wird. In aller Kürze: iPhone 6 erscheint, dreiviertel der Nerd-Gemeinde ist sich sofort einig: Apple ist nicht innovativ, das iPhone 6c ist zu teuer, Apples Aktienkurs fällt um etwa 3,5 %.

Mein Fazit

Meine Vertragsverlängerung steht an und mein kommendes Telefon wird ein iPhone 5s. Glasklare Entscheidung, Space-Grau im Farbton. Ich muss gestehen, mein derzeitiges Telefon ist ein iPhone 4. Für mich ist der Wechsel zum 5s ein großer Technologie-Sprung, den ich sehr stark merken werde und auf den ich mich sehr freue.

Aus der Mac-Trickkiste: Zip-Komprimieren im Terminal

Man kann den Mac wunderbar über das Terminal steuern. Ein paar UNIX-Kenntnisse vorausgesetzt navigiert es sich schnell und direkt durch das Dateisystem und viele altbewährte UNIX-Helferlein sind nur ein paar Tasteneingaben entfernt. Beispielsweise lassen sich im Terminal Dateien einfach per FTP übertragen. Damit diese Dateien etwas zügiger ihr Ziel finden, empfiehlt es sich diese im Vorfeld zu komprimieren, am besten per Zip, denn das ist bekannt und plattformübergreifend verfügbar.

Dateien lassen sich auch sehr schnell per Kontextmenü packen: Einfach rechte Maustaste oder [ctrl] und linke Maustaste über der zu verkleinernden Datei auslösen und aus dem erscheinenden Kontextmenü “komprimieren” wählen. Das geht aber auch genauso gut via Terminal und außerdem kann man im Terminal auf Wunsch auch die Datei mit einem Kennwort schützen.

Der folgende Befehl komprimiert einen Ordner oder eine Datei. Bitte die “<” und “>” nicht miteingeben.
zip -r <Zip-Dateiname>.zip <Dateiname>

Der folgende Befehl komprimiert einen Ordner oder eine Datei und kodiert die Datei mit einem vom Anwender gewählten Kennwort.
zip -e -r <Zip-Dateiname>.zip <Dateiname>
Anschließend wird man zwei Mal nach dem gewünschten Kennwort gefragt und danach beginnt die Kompression.

Ich mag Plants vs Zombies 2

tl;dr Freemium bleibt Scheiße, aber Plants vs Zombies 2 macht trotzdem großen Spaß.

Mit über 16 Millionen Downloads auf iPhone, iPad und iPod touch innerhalb der ersten Tage nach Erscheinen gehört der Start des zweiten Teils des Tower-Defense-Spiels Plants vs Zombies zum erfolgreichsten, was die iOS-Spielwelt bisher erlebt hat. Im Vergleich zum Vorgänger hat sich am Spielprinzip nur wenig geändert, so dass Kennerinnen und Kenner des ersten Teils sich gleich heimisch fühlen. Was jedoch radikal neu ist, ist der Preis: Plants vs Zombies 2 ist kostenlos erhältlich, bietet aber über die Möglichkeiten der In-App-Käufe viele Gelegenheiten Geld los zu werden.

[Update: Inzwischen sind es 25 Millionen Downloads.]

Das Spielprinzip

Ein Haufen Zombies mit unterschiedlichen Fähigkeiten möchten das Gehirn der Spielerin / des Spielers verspeisen und laufen dafür mehr oder weniger strategisch von rechts nach links über den Bildschirm. Erreichen sie die äußere linke Seite, ist das eigene Gehirn futsch, und die Zombies haben gewonnen. Als Spieler hat man ein – zu Anfang überschaubares, im weiteren Spielverlauf ein großes – Arsenal an Pflanzen zur Verfügung, mit deren Hilfe sich eine Verteidigungsstrategie entwerfen lässt. Erbsen-Kanonen, Kartoffel-Minen, Kohl-Katapulte und viele weitere kreative Waffen stellen sich den Zombies hoffentlich erfolgreich entgegen.

Durchspielen

Drei große Spielorte mit vielen Zwischenstationen warten darauf, durchquert zu werden: So kämpft sich die Spielerin / der Spieler durch das alte Ägypten, legt sich mit Piraten auf der hohen See an und muss sich schließlich im Wilden Westen durchsetzen. Im Verlauf des Spiels erhält man Spielgeld, mit dem sich besondere Fähigkeiten – wie beispielsweise das Erledigen der Zombies durch Stromschläge oder Zerquetschen – erwerben lassen. Für echtes Geld wiederum lassen sich die Level einfach freischalten oder neue Pflanzen kaufen. Tatsächlich weisen immer mal wieder bildschirmfüllende Dialoge auf die zahlreichen Angebote hin und laden zum Kauf ein. Der Einladung muss man nicht entsprechen, denn das Spiel lässt sich auch ohne Zusatzkäufe durchspielen, es dauert nur ein bisschen länger. Insofern bleibt Publisher EA fair: Die In-App-Käufe erleichtern das Durchspielen, aber der Schwierigkeitsgrad nimmt ohne Zusatzkäufe keine unmöglichen Dimensionen an.
Ich hätte gerne 3,99 Euro für das Spiel bezahlt und wäre von dem In-App-Quatsch verschont geblieben, aber so verdient EA halt kein Geld an mir.

Fazit

Das Spiel ist sehr schön geworden: Die Animationen sind liebevoll umgesetzt, das Spielprinzip wurde bewahrt, die Story ist beknackt, aber egal und auch auf einem inzwischen betagten iPhone 4 läuft das Spiel in guter Geschwindigkeit. Plants vs Zombies 2 macht einfach großen Spaß, so großen Spaß, dass diesen nicht einmal die häufigen Hinweise auf In-App-Käufe verderben können.

Journalismus 2013: Hauptsache der Output stimmt

Fortwährend bauen Verlags-Manager aufgrund der Daten ihrer Tabellenkalkulationen Verlage um. Dieser Tage, in denen das Jammern und Wehklagen ob der ständig sinkenden Auflage groß ist, sind die Manager wieder sehr geschäftig am Umbauen.

Gründe für das Sinken der Auflage gibt es viele, aber einer wird selten vorgetragen: Unwürdig recherchierter, schlecht kopierter Boulevard-Journalismus füllt vielerorts die Seiten. Ist ja auch billiger, als zeitintensive Recherche. Kein Wunder, dass der Beruf der Journalistin, des Journalisten ein so geringes Ansehen erfährt.

Vor kurzem machte eine Nachricht die Runde, die unter anderem auch Spiegel-Online eine Meldung wert war. Unter dem Titel „Wolkenkratzer ohne Aufzug: Der Treppenwitz von Benidorm“ wurde da genüsslich darüber berichtet, wie bei einem Hotel-Neubau in Spanien der Aufzug vergessen wurde. So weit, so egal, aber das Problem war: Es stimmte so nicht.

Die Medien-Seite BILDblog beschreibt unter dem Titel Schildbürger unter sich, wie schlampig die deutschsprachigen Nachrichtenseiten zum Teil vorgehen und auch von einander abschreiben.

Im Volontariat haben wir damals gelernt, bei der Recherche vorhandene Quellen zu prüfen. Dabei prüft man doppelt und zwar von einander unabhängigen Richtungen. Das ist aufwändig und kostet Zeit und somit auch Geld. Wenn man aber Journalismus lediglich als einen Wirtschaftszweig sieht, dann lässt sich an verschiedenen Stellen die Sparschraube ansetzen, am effektivsten spart man am Personal. Die Konsequenz ist relativ schnell zu sehen: Wenn weniger recherchierende Personen zur Verfügung stehen, die Seitenzahl – häufig auch „Output“ genannt – aber gleich bleiben soll, muss zwangsläufig etwas auf der Strecke bleiben. Man ist froh über unterhaltsame Meldungen, die sich geradezu von selbst schreiben, denn die Vorarbeit haben ja schon die Kolleginnen und Kollegen geliefert.

So ist bald kaum eine Meldung banal genug, als dass man damit nicht den Platz füllt, damit der Output stimmt. Leserinnen und Leser werden so für dumm verkauft und deren Misstrauen steigt. Denn: Woher soll ich wissen, dass die Berichte über die Lage in Kairo nicht genauso schlecht geprüft sind? Mein Vertrauen ist geschwunden.

Amazon kauft die Washington Post

Kaum eine Woche vergeht derzeit, ohne dass aus der Medienwelt eine neue Nachricht bekannte Muster durcheinander rüttelt. War es vor kurzem der Verkauf von Springers Abendblatt & Co an Funke, so ist es jetzt der Verkauf der Washington Post an Amazon-Chef Jeff Bezos.

Für 250 Millionen US-Dollar übernimmt Bezos von der Verleger-Familie Graham die renommierte Tageszeitung. Die Washington Post gilt neben der New York Times als Aushängeschild für journalistische Qualität. Leider ist die Zeitung seit Jahren defizitär und nun ist für den Inhaber anscheinend die Zeit gekommen, in der er das nicht mehr tragen kann oder tragen möchte. Für Bezos, dessen Vermögen auf 25 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, stellt der Kauf nur ein geringes Risiko dar.

Was aber wird sich durch den Besitzerwechsel ändern? Ist der Kauf die Rettung der Zeitung? Die Rettung des Qualitätsjournalismus?

Bezos, der Heiland aus dem Netz

Zwar ist die Überraschung unter den Schreiberlingen groß, denn mit Bezos‘ Einstieg in den Zeitungsmarkt hat wohl niemand gerechnet, aber es gibt kein großes Entsetzen, dass mit der Übernahme nun der eiserne Besen durch die Redaktionsräume fegen wird. Vielmehr genießen Bezos und auch Amazon erstaunlich große Sympathien. Die Aufregung, dass Amazon seine Versandangestellten unter schlechten Bedingungen arbeiten lässt, jedes Jahr zum Weihnachtsgeschäft die Sozialgesetze der Bundesrepublik ausnutzt, die eigenen Kunden ausspioniert, die Konkurrenz durch Steuervermeidung verdrängt oder bei Passwörtern pfuscht, ist der Nerd-Gemeinde keinen großen Aufschrei wert, es wird lieber schön über Prime weiterbestellt. Der Kindle als toller Reader in den Himmel gelobt, Aktionen, wie das zentrale Löschen eines gekauften Buchs auf den Kindles der Kunden werden vergessen und vernachlässigt.
Über Bezos heißt es, er sei geduldig und nicht auf den schnellen Profit aus. Ist Bezos nun tatsächlich der große Wohltäter, der die Post als Hobby am Leben erhalten wird? Ein Mäzen? Zum Teil wird er gar als Heilsbringer gefeiert, der den verschnarchten Printverlegern ein bisschen Frische aus dem Netz bringt. Lediglich dem Verkauf an sich und der verkaufenden Familie schlägt ein wenig Kritik entgegen.

Nur sehr wenige Menschen wissen, was den Amazon-Boss zu diesem Schritt bewogen hat, aber ich bin mir sehr sicher, dass es überhaupt nichts mit nett, naivem Gutmenschentum zu tun hat. Vielmehr ist der Schritt wohlkalkuliert.

Lobbyarbeit par excellence

Bezos ist nicht blöd. Er rüstet sich und sein Unternehmen Amazon für die Zukunft. Bezos wird nicht durch die Redaktionsräume der Post schreiten und diktieren, was in die Artikel kommen soll. Er wird seine Journalisten auch nicht zu Gunsten Amazons schreiben lassen. Die Kontakte, die Reichweite und das Renommee der Zeitung wird Bezos sehr wohl einzusetzen wissen, denn nun öffnen sich auch die letzten Türen zu Staat und Verwaltung, die dem ohnehin bewunderten und willkommenen Unternehmer bisher verschlossen waren – Lobbyarbeit par excellence.

Und wenn jetzt einer sagt: „Aber das ist alles ganz falsch, denn nicht Amazon hat die Washington Post übernommen, sondern Jeff Bezos als Privatmensch.“, dann fällt mir dazu nur ein einziges Wort ein: Niedlich.

Ich muss wählen gehen!

Ich muss wählen gehen! Ich muss wählen gehen! Ich muss wählen gehen! Ich muss wählen gehen! Ich muss wählen gehen! Ich muss wählen gehen! Ich muss wählen gehen! Ich muss wählen gehen!

Wenn ich das oft genug bis zum 22. September wiederhole, gehe ich hoffentlich auch wirklich wählen. Noch nie hatte ich derartige Schwierigkeiten, mich für eine Bundestagswahl zu motivieren. Unangenehmes Gefühl.

Das Recht, eine Wahl zu haben, eine relevante Stimme abgeben zu dürfen, ist nichts Selbstverständliches. Jahrzehnte, Jahrhunderte, Jahrtausende wurde dafür gekämpft. An vielen Orten der Erde leiden noch heute Menschen für dieses Recht … und mich beschleicht eine peinliche Wahlmüdigkeit … es ist zum Heulen.

Zurzeit rauscht mir häufig Keine Macht für Niemand von Ton Steine Scherben durch den Kopf:

„Ich bin nicht frei und ich kann nur wählen,
Welche Diebe mich bestehlen, welche Mörder mir befehlen.“

Bestimmt wird das ja noch was mit mir und der Bundestagswahl, wenn erst die heiße Phase des Wahlkampfs tatsächlich beginnt. Kanzlerin und Kanzlerkandidat werden beide in Kiel sprechen: Am 16. August spricht Angela Merkel am Ostseekai und am 27. August ist Herausforderer Peer Steinbrück auf dem Europaplatz zu sehen und zu hören.

Großraumbüros sind Schwachsinn

Ein Großraumbüro ist ein Raum, in dem viele Büroarbeitsplätze untergebracht sind. Es gibt Argumente, die für ein derartiges Konzept sprechen und viele Gründe, sich gegen einen solchen Arbeitsplatz zu entscheiden.

Pro

Für ein Großraumbüro spricht die bessere Nutzung des verfügbaren Platzes, mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können auf der selben Fläche arbeiten, als das bei Einzel- oder Zweierbüros der Fall sein könnte. Der Arbeitgeber spart also Kosten. Auch die Kommunikation unter der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter untereinander ist einfacher, denn sie müssen weder zu anderen Räumen laufen noch telefonieren oder Nachrichten senden. Außerdem fällt es eher auf, wenn eine Kollegin oder ein Kollege sich vor den Aufgaben drückt und die eigene Arbeit auf andere abschiebt. Dank derartiger sozialen Kontrolle arbeiten alle fleißig gemeinsam, so zumindest die Idee.

Es fällt bei den Pro-Großraumbüro-Argumenten nur auf, dass sie eher den Blickwinkel des Arbeitgebers einnehmen: Kosten-Effizienz, Kommunikation und Kontroll. Das muss nicht per se schlecht sein, aber schauen wir uns die Gegenargumente an.

Kontra

Gegen ein Großraumbüro spricht die kaum vorhandene Privatsphäre: Jedes Gespräch, jedes Telefonat hören Anwesende mit. Hinzu kommt, dass in manchen derartigen Büros die Monitore gut einsehbar sind, so dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter ständiger Kontrolle wähnen.
Man kann die Augen schließen, wenn man etwas nicht sehen möchte, aber die Ohren zu schließen, ist schwierig. Stundenlang mit Kopfhörern zu arbeiten, ist nur eine vorübergehende Lösung, denn es herrscht eine enorme Unruhe und Geräuschkulisse in Großraumbüros: Es lärmt durch das Klappern der Tastaturen, die Telefonate, die Gespräche, die Toiletten-Gänge, die spontanen Besprechungen an Schreibtischen, das Kaffee-Holen und viele andere Dinge, die Menschen im Büro nunmal so machen.
Man kann sich des Weiteren mit dem eigenen Arbeitsplatz nur schwerlich identifizieren, denn der Raum, der sich persönlich einrichten lässt, ist so klein, dass eine Identifikation kaum stattfinden kann. Dabei verbringt man so viele Stunden am Arbeitsplatz und eine Identifikation wäre sehr nützlich für die Identifikation, was sich sowohl auf die Motivation als auch die Zufriedenheit auswirken dürfte.
Fehlendes Tageslicht an Arbeitsplätzen, die von den Fenstern entfernt sind, kommt hinzu. Das Lüften erweist sich häufiger ebenfalls als Problem, denn einigen ist es zu kalt, anderen zu warm; derartige Kompromisse machen viele Menschen unglücklich.

Bei den Kontra-Argumenten fällt nun auf, dass diese sich klar aus der Perspektive der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer formulieren lassen.

Was sagt die Wissenschaft?

„Ich halte grundsätzlich nichts von Großraumbüros, schon allein wegen des Lärmpegels. Großraumbüros sind wie Legebatterien, es ist eine rein ökonomische Strategie, viele Leute auf wenig Platz unterzubringen“, sagt Arbeitspsychologe und Mediziner Michael Kastner im Interview.
Dass Großraumbüros für viele ein Problem sind, wird auch deutlich, weil es hierfür Tipps bei Lärmbelastung gibt oder den Knigge fürs Großraumbüro.
Bei einer Untersuchung in der Schweiz stellten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hochschule Luzern fest, „dass bei Arbeitnehmenden in Grossraumbüros vermehrt gesundheitliche Symptome und krankheitsbedingte Absenzen auftraten.“ Was Arbeitgeber hier interessieren sollte – wenn schon die einzelne Mitarbeiterin oder der einzelne Mitarbeiter nicht soviel zählt – ist der Punkt, dass die Anzahl der Krankheitstage von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei Großraumbüros höher ist, als bei kleineren Räumen.

Großraumbüro? Nein, danke.

Es sieht so aus: Großraumbüros sind kein schöner Ort zum Arbeiten. Und sie fühlen sich noch viel unterirdischer an, wenn man sieht, dass „der Chef oft noch in einem repräsentativen Einzelbüro“ sitzt.
Die Käfighaltung für Hühner endete 2008, aber für Menschen gilt dies nicht. Hier heißt der Ort auch nicht „Käfig“, sondern „Großraumbüro“. Gehackt, gestresst und gespart wird aber auch hier. Großraumbüro? Nein, danke.

Update

Auch hier wird gegen Großraumbüros argumentiert: Bitte hört auf Großraumbüros zu schaffen! Es nützt keinem etwas!

Springer und das digitale Gedöns

Der Medienwandel vom Analogen zum Digitalen ist in vollem Gang. Allerspätestens heute dürften auch die letzte Medienignorantin und der letzte Medienignorant gemerkt haben, dass sich die Zeiten ändern: Der Springer-Verlag hat bekannt gegeben, dass er sich von einer Vielzahl eigener Blätter trennt. Mit dabei sind sogar Traditionsmarken wie das „Hamburger Abendblatt“ oder die Programmzeitschrift „Hörzu“.

Viele haben einen Abgesang auf den Journalismus und den Print-Journalismus im Besonderen angestimmt und es gibt kaum Widerworte. Die Zahlen der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) zeigen seit Jahren über fast alle Bereiche hinweg nach unten. Lediglich das eskapistische Wohlstands-Magazin „LandLust“ hatte sich jahrelang dagegen gestemmt und einer Flut von Nachahmern Tür und Tor geöffnet. Aber sogar dieser Fels in der Brandung scheint so langsam abgeschliffen, denn im Vergleich zum Vorjahresquartal wuchs die Zeitschrift im vergangenen Quartal lediglich um rund ein Prozent.

So war das vergangene Quartal laut IVW einmal mehr ein Zeichen, dass sich die Zeit des gedruckten Journalismus dem Ende nähert. Redaktionen werden zusammengelegt, neue Gesellschaften gegründet, um bestehende Tarifverträge auszuhebeln oder bestehende Blätter komplett entseelt.

Auch die erfolgsverwöhnte Axel Springer AG musste sich ansehen, wie die Auflage der hauseigenen Papierprodukte Jahr um Jahr sank. Berühmtestes Beispiel hierfür sind die Auflagen von „Bild“ und „Bild am Sonntag“: von über 4,5 Millionen 1998 auf etwa 2,5 Millionen 2013. Nun ist der Springer-Verlag nicht gerade für Zimperlichkeiten bekannt, aber es erstaunt dennoch die gesamte Medienwelt, mit welcher Konsequenz der Verlag auf die Entwicklung reagiert: Er verkauft die Regionalzeitungsgruppen „Berliner Morgenpost“ und „Hamburger Abendblatt“, außerdem mit „Hörzu“, „TV Digital“, „Funkuhr“, „Bildwoche“, „TV Neu“, „Bild der Frau“ und „Frau von Heute“ fünf Programm- und zwei Frauenzeitschriften. Der Papierberg geht für 920 Millionen Euro an die Funke Mediengruppe – früher bekannt als Verlag der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ). Auch wenn die Auflagenzahlen nach unten gehen, noch sind die verkauften Medien profitabel und die WAZ hat Erfahrung mit Sparen und Zusammenlegen. Kein Zynismus: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der verkauften Blätter tun mir leid.

Springer will weg vom Print ins Digitale. Unsereins denkt sofort: „Alles klar, das ist ja ein Verlagshaus. Die produzieren Inhalte, also machen die jetzt noch mehr Web-Portale und iPad-Magazine, denn darin liegt ja die Zukunft.“ Aber so einfach ist es nicht, denn sein Geld verdient Springer im Digitalen nicht mit klassischem Journalismus, sondern mit allerlei digitalem Gedöns: neben Audio-, Video- und Textproduktion auch Job-Such-Plattform, Immobilien-Portal, Preisvergleichs-Seite und vielen Dienstleistungen. Insofern bedeutet der Schritt „weg vom Print ins Digitale“ auch, dass sich das ehemalige Verlagshaus in ein Konglomerat mit Medien-Anhang wandelt.

Man muss der Geschäftsführung um Matthias Döpfner zugute halten: Sie reagiert und jammert nicht nur, sondern sie agiert, sie sieht die Zeichen der Zeit, wertet ihre Zahlen aus und zieht radikale Konsequenzen. Das ist beeindruckend, aber mit der Idee einer „vierten Gewalt“ ist das Ganze nicht mehr vereinbar.

Die vom Verkauf erhaltenen Millionen könnte Springer nun für den Ausbau der eigenen Digitalstrategie einsetzen und den kolportierten Einstieg bei Scout24 finanzieren. Mit Journalismus hat der Einstieg – kaum überraschend – aber nichts zu tun. Wir sehen also derzeit in zweierlei Hinsicht Schritt für Schritt den Medienwandel vor unseren Augen: Der Journalismus, wie wir ihn kennen, hat keine Zukunft und führende Verlagshäuser sehen in der Inhaltsproduktion nicht mehr ihre Hauptaufgabe.

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